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März
2010
Nicholas … oder:
Breaking
Benjamin & der Mann am Strand
Nun ist es zehn Monate
her, dass Nicholas in mein Leben trat und mich von einer
Möchtegern-Autorin mit
Prinzipien zu einer willenlosen Sklavin seiner Gier nach Existenz
machte. Es
wird Zeit, zu erzählen, wie das alles begann.
Also, macht es euch bequem
und spitzt eure Lauscher.
*räuspert
sich*. It was a dark and stormy night …
- Okay, wer hat da
gelacht?!
Es war wirklich dunkel und
wahrhaft stürmisch und es war tatsächlich Nacht. Der
Strand erstreckte sich
kilometerweit vor mir, grau und kalt, und die Wolken wurden wie
zerfetzte
Quecksilberpfützen dicht über meinem Kopf hinweg
getrieben. Hin und wieder
spuckten sie mir Regen ins Gesicht. Da ich ohnehin schon nass war,
ließ ich
mich von der Gischt umnebeln, die die Wellen verursachten, wenn sie
zornig geifernd
versuchten, den Strand zu verschlingen. Zu meiner großen
Freude war ich bis auf
die Möwen, die müde im Müll der Touristen
nach Essensresten pickten, vollkommen
allein. Allein mit den Jungs von Breaking Benjamin, die mir romantische
Dinge
in die Ohren brüllten. Konnte es etwas Schöneres
geben?
Ja, das konnte es. Da war
diese Vorstellung, diese Illusion, den Körper einfach fallen
zu lassen. Den
Naturgesetzen zum Trotz zu fliegen, sich dem Sturm hinzugeben und sich
den
Elementen auszuliefern. Chaos war ein Stichwort. Elemente das zweite.
Zeitgleich mit amoralisch, Dämon und Schattenleib stand
Nicholas buchstäblich
neben mir.
Und in dieser dark and
stormy night, die Haare regennass und die Füße von
den Wellen umspült, da ging
ich einen Pakt mit dem Dämon ein.
„Ich schreibe deine
Geschichte“, sagte ich. „Aber ich werde Dinge mit
dir tun, die dir nicht
gefallen werden.“
Er pustete sich eine lange
Haarsträhne aus der Stirn und ich nahm erstmals seine Augen
war.
Ozeansturmblau. Zur Hölle mit meinen Prinzipien, die da
lauteten: Kein Held mit
blauen Augen.
Er lächelte nicht, nur ein
Mundwinkel zuckte. „Ich werde nicht in der Sonne
glitzern.“
„Nein“,
antwortete ich.
„Aber du wirst hin und wieder aus deinen Körper
fahren und diesen wie tot
zurücklassen müssen. Und du weißt, was
passiert, wenn menschliche Körper jede
Muskelspannung verlieren.“
„Vergiss es. Du willst
einen Roman schreiben, kein Anatomiefachbuch.“
„Aber die
Glaubwürdigkeit
…“
„Ist nicht von Interesse,
wenn sie der Ästhetik im Wege steht.“
Leider hatte er recht.
„Meinst du, wir können dieses kleine Detail
ignorieren?“ Für eine Antwort auf
diese Frage war er sich eindeutig zu schade, und ich begriff langsam,
mit wem oder
was ich mich eingelassen hatte.
„Okay“,
willigte ich ein.
„Doch leicht werde ich es dir nicht machen. Du wirst
Prügel beziehen.“
Er ignorierte mich.
„Du wirst
niedergeschlagen
und gefesselt werden.“
Ein Schulterzucken.
„Ich werde dich leiden
lassen.“
Er atmete akzentuiert, nur
ein wenig lauter als zuvor. Ich verstand das Zeichen dennoch. Ich
begann ihn zu
langweilen. Nicht gut.
Ich beschloss, seine
Grenzen auszuloten und stieß mir den Kopf. „Du
wirst vor Verzweiflung Rotz und
Wasser heulen.“
Da lächelte er mich an,
leckte sich mit einem träumerischen
Ausdruck in den Augen über die Lippen und
witterte, als würde er die
Emotionen bereits in der Luft schmecken. „Ich freu mich
schon“, erwiderte er
leise.
Ich kniff die Lippen
zusammen und dachte:
Scheiße, der meint das
ernst. Und jetzt?! Und dann begann ich, meine Drohungen wahr zu machen.
Ich
begann zu plotten. Er folgte mir mit hungrigen Blicken. Oder trieb er
mich vor
sich her?
Seit dieser Nacht
beherrsche ich die Kunst des Klarträumens, was bedeutet, dass
ich tagsüber
schreiben und nachts plotten kann. Und ich begann sofort zu
träumen. Von
regennassen Hemden und dem Geschmack von Gischt auf seiner Haut.
Doch das ist eine andere
Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden ;-)
März
2010 - Sowas kommt
vor … aus meinen Rohmanuskripten:
„Sie sah in den
nächtlichen Nachthimmel.“ Ja … und dann
kam der weiße Schimmel und stieß mich
mit der Nase darauf. Möchtet ihr wissen, wie lange ich diesen
Satz anstarrte,
ehe mir klar wurde, dass da etwas nicht stimmt?
Besser noch war der hier:
„In den Schatten hinter
ihm bewegten sich Schatten.“ Ach?! Echt? Is ja’n
Ding.
Einen weiteren kleinen
Schnitzer (ganz unbedeutend) baute ich in eine erotische Szene, in der
mein
Held körperliche Erschöpfungszustände zeigte
und … nun ja … transpirierte. Es
schadet der Ästhetik dabei sehr, wenn man an entsprechender
Stelle ein „w“
vergisst.
Ihr möchtet nicht wissen,
dass es sich hierbei um eine Online-Veröffentlichung handelte.
Noch weniger
möchtet ihr wissen, dass ich ebenso online auf den Patzer
hingewiesen wurde.
Von meiner Mutter.
Seit diesem Tage wird
jedes meiner Manuskripte mit F5 und „Suchen“ auf
entsprechende Begriffe
durchforstet, denn ich träume inzwischen von ganzen
Büchern voll Worten, denen
ein wichtiges „w“ fehlt.
Auch sehr hübsch:
„Er griff mit spitzen
Fingern nach einer der amoralischen Tomaten …“
Da könnt ihr mal sehen:
Jennifer Benkau ist so böse - da werden selbst die
aromatischen Tomaten
amoralisch.
Februar
2010 - Mehr Buch
aus dem Hause
Es ist vertraglich
besiegelt. „Der Phoenixfluch“ (von mir liebevoll
„mein Federvieh“ genannt),
wird Ende 2010/ Anfang 2011 im Siebenverlag als Roman erscheinen. Juchu.
Worum geht’s?
Helena zieht in
die Nähe von Freiburg. Auf ihrem ersten Waldspaziergang mit
ihrem Staffordshire
Bullterrier Cat macht sie eine eigenwillige Entdeckung: Ein halbnackter
Mann
droht nicht nur, sich vor ihren Augen von einer Brücke zu
stürzen - der
Mistkerl tut’s tatsächlich. Seltsam nur, dass sich
keine Leiche findet. Als der
junge Mann Tage später putzmunter wieder auftaucht,
weiß Helena: Da ist etwas
faul.
Sie ahnt allerdings nicht,
wie sehr, denn der ebenso schüchterne wie sarkastische Samuel
Maleiner ist ein
Mann, der im wahrsten Sinne des Wortes tausend Tode stirbt.
Januar
2010 - Das
Federvieh & die Liebe
Es geschehen seltsame
Dinge im Hause Benkau. Ich tanze. Ich singe und drehe Pirouetten durch
die
Küche. Kind eins zeigt mir einen Vogel, Kind zwei versteckt
sich verstört
unterm Tisch und Kind drei tanzt mit mir und singt die Titelmusik von
„Two and
a half men“.
What the fuck?
Verliebt?
Aber sowas von!
Einzelne romantische
Szenen in meinem aktuellen Manuskript „Der
Phoenixfluch“ lassen mich akut auf
Wolken schweben. Ich murmle die Melodie von „Only
Hope“ von Switchfood vor mich
hin und das Grinsen hat sich so tief in meine Züge gefressen,
dass mir die
Wangen schmerzen. Nur die daraus resultierende Schweinerei
hält mich davon ab,
meiner Heldin Rosenblätter in die Badewanne zu kippen, und mir
gleich dazu.
Ab heute, so beschließe
ich, schreibe ich nur noch fluffige Romantik, in der die Helden
abwechselnd
nackt in kristallklares Meerwasser und danach ebenso nackt in die
mollig warme Kiste
hüpfen. Als Antagonisten fungieren Hotelpagen, die das
Liebesgeturtel für
Minuten unterbrechen, ehe der Held sie fort schickt. Oder nein, wir
lassen die
Antagonisten einfach ganz weg.
„Sie verliert den
Verstand“, murmelte jemand in meinem Umfeld, und ich
säusele: „Hach. Jaahaa.“
Aber nur bis morgen. Denn
dann ziehen wir hier andere Saiten auf *muhahaha*.
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